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Gitta & Yogi Reppmanns erster Indian Summer in Northfield, MN 1992



Gittas Leben mit dem Rosenstrauch (Gedicht siehe bitte unten)

Demut und Lebensfreude einer Schwerbehinderten machen sprachlos

Erhard (Boeddee) Böttcher

Gitta Reppmanns vielfältiges Leben konfrontiert symbolhaft mit einem riesigen Rosenstrauch. Der Wurzelstock ist ihr Vater Helmut Ortmann, Hamburger Kaufmann und Kosmopolit, dem sie besonders zugeneigt war. Die größte Rose gebührt der Begegnung mit der Liebe ihres Lebens, Yogi Reppmann, den Gitta 1990 zufällig am Kieler Skandinavienkai (Oslofähre) traf. Doch der Strauch hat auch harte Dornen: Einen katastrophalen Aufounfall bei Holstein, Iowa überstand Gitta 1996 nur mit schweren Behinderungen. Ihr Schicksal trägt sie gleichwohl demütig und dankbar. "I live!", ruft Gitta, eine Faust ballend, und fügt fröhlich schmunzelnd hinzu: "Ich habe keine Schmerzen."

Gitta Ortmann wurde am 24. September 1946 in Hamburg geboren; sie hat noch eine jüngere Schwester. Der Vater nahm Gitta mit auf norddeutschen Verkaufsfahrten für Schokolade und andere Kolonialwaren; davor war er Kaffeeröster und danach Buchhalter. Beim Afrikafeldzug infizierte sich Ortmann mit Marlaria. Er hatte zwei Hobbys: Reisen und Wohnen. Kaum hatte der Vater für die Familie ein Haus gekauft, sucht er bereits das nächste. Gleichwohl wollte Ortmann gern auswandern; aber Mutter Gertrud, die bis zu ihrem 96. Lebensjahr in Oersdorf bei Kaltenkirchen (Kreis Segeberg) wohnte, schreckte vor solch einem Schritt zurück.

Wie viele patente Zeitgenossen schaffte Gitta den Zugang zu ihrem Lebensberuf erst in einer fulminanten zweiten Runde. Nach ihrer Mittleren Reife in Quickborn (Kreis Pinneberg) und einem Jahr als Aupair in London machte sie zunächst eine kaufmännische Lehre bei der Hamburger Großreederei HAPAG. Nach Abendgymnasium und Abitur studierte Gitta Zahnmedizin in Marburg (Hessen). Dort wurde sie mit Hilfe desselben Arztes Mutter von zwei Kindern: Astrid (geboren 1973) und Henning (geboren 1977) Knigge. Ihr Ehemann, gleichfalls Zahnarzt, ließ Gitta sitzen. Die Kinder wurden Akademiker und bescherten ihr fünf Enkel; die junge Familie sammelte fünf Doktortitel.

Die gemeinsame Mitgliedschaft in der überparteilichen Europa-Union brachte Gitta und Yogi Ende September 1990 zusammen. Sie war Schatzmeisterin im Ortsverein Schwarzenbek (Kreis Herzogtum Lauenburg) und er frischgebackener Landesgeschäftsführer für Schleswig-Holstein. Yogis erste Aufgabe galt der Begleitung von etwa 20 Verbandsmitgliedern nach Norwegen - zur Konferenz "Nordeuropäische Gespräche". Auf dem Gangway zur Oslofähre kreuzten sich zwei Wege schicksalshaft. Yogi kam mit einem voluminösen Tramperrucksack just zurück von einer internationalen Tour mit einem befreundeten Zimmermann - was ihn nicht daran hinderte, als Kavalier Gittas Koffer an Bord zu tragen.

Es war Liebe auf den ersten Blick, wie beide wenig später unumwunden zugaben. Reichlich Gesprächsstoff war rasch gefunden. Es ging kaum noch um Europa; denn Yogi und Gitta waren von dem Wunsch beseelt, mittelfristig gründlich die USA zu erkunden. Er hatte Amiland bereits als Student bereist, während sie noch nie drüben war. Die großartigen Reisepläne und die starke Sympathie füreinander führten umgehend zu gemeinsamen Schritten. Gitta und Yogi zogen in eine Wohnung in Kieler Bahnhofsnähe, und bald verdichteten sich die Zukunftspläne der beiden für die USA. Die Freundin drängte den Freund, seine Doktorarbeit zur Auswanderung von 1848er—Schleswig-Holsteinern in den USA abzuschließen.

In Norddeutschland zog das Paar bald in Yogis Heimatstadt Flensburg. Es dauerte nicht lange, und Gitta schloss sich dem Pendelverkehr des Historikers an: Winterhalbjahr (wegen der trockenen Kälte) Amerika - Sommerhalbjahr Schleswig-Holstein. Gitta und Yogi gewannen auch drüben viele Freunde. Schnell waren sie sich darin einig, eine Schwäche für den Lebensstil im Mittleren Westen zu haben. Schließlich wurde in Las Vegas geheiratet. Yogi schrieb Bücher, organisierte Reisen und Kongresse. In Northfield (Minnesota) übernahm er Juniorprofessuren an den privaten Liberal Arts Colleges, (St. Olaf & Carleton) trat dem Rotary Club bei. In der charmanten Kleinstadt bauten sich das Paar kurz nach der Jahrtausendwende ein kleines Haus.

Im März 1996 wurde Gitta Opfer eines katastrophlen, unverschuldeten Aufounfalls. Im westlichen Iowa fegte eine Windbö ihren Wagen von einer glatten Straße und einen acht Meter tiefen Abhang hinunter. Glück im Unglück: Ein Polizist war in der Nähe und sorgte für einen raschen Krankentransport der schwerstverletzten Frau. Die Nachricht von dem tragischen Unfall verbreitete sich wie ein Lauffeuer. In dem rund 300 Kilometer entfernten Northfield waren die Menschen geschockt. Kirchenglocken wurden geläutet. Der evangelisch-lutherische Pastor John Gorder eilte zu Gittas Krankenbett in der Intensivstation von Sioux City (Iowa) und betete fuer sie. Gitta, deren Leben am seidenen Faden hing, lag fünf Wochen im Koma und überlebte. Doch ihr rechter Arm blieb verkrüppelt, und ihr rechtes Bein ist nur notdürftig bewegungsfähig. Gehbegleitung und Rollstuhl wurden unentbehrliche Hilfsmittel. Gestört sind der Gleichgewichtssinn und vor allem das Sprachzentrum zur Wortbildung, aber Unterhaltungen und Fernsehsendungen kann Gitta mühelos verfolgen; Pointen bleiben ihr nicht verborgen. Daheim wird sie von Yogi und bei auswärtigen Besuchen von aufmerksamen Gastgebern umsorgt. Stets nach wenigen Stunden braucht Gitta eine Ruhepause; aber ein Bett fuer ein Nickerchen steht immer bereit. Bei alledem kommen Gitta Humor, Geduld und Demut zu gute. Als Getränke reichen ihr schlichtes Wasser und Milchkaffee.

Gitta ist mehr denn je der Lebensmittelpunkt des Rundumversorgers Yogi, der jeden Wunsch vom Imbiss über einen Toilettengang bis zum Wärmekissen sofort erfüllt. Dabei macht sie nach dem hohen Maß an Unbill, das ihr widerfuhr, alles andere als einen verdrießlichen Eindruck. Freunde und Nachbarn können sich von ihrer lebensbejahenden Ausstrahlung überzeugen, die seit ihrer gesunden Zeit vor 20, 30 Jahren offenbar nicht gelitten hat. Auf Scherze reagiert Gitta sofort mit deutlichem Lachen - und für Dialoge hat sie ein kleines, aber in der Regel ausreichendes Vokabular bereit: "Toll - No no - I don't know - Maybe - We'll see - Wir lieben uns." Gesprächspartner haben sich diese Versatzstücke unter allgemeinem Schmunzeln längst angeeignet.

Die Nachtigall


Das macht, es hat die Nachtigall Die ganze Nacht gesungen; Da sind von ihrem süßen Schall, Da sind in Hall und Widerhall Die Rosen aufgesprungen.

Sie war doch sonst ein wildes Blut; Nun geht sie tief in Sinnen, Trägt in der Hand den Sommerhut Und duldet still der Sonne Glut Und weiß nicht, was beginnen.

Das macht, es hat die Nachtigall Die ganze Nacht gesungen; Da sind von ihrem süßen Schall, Da sind in Hall und Widerhall Die Rosen aufgesprungen.



PS:

Ein Lesegewinn. Boeddees amüsanten Beobachtungen in seinem Altenheim—







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